... weil meine Frau bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse gemeint hat: „Nimm sie weg, die ziehen nur Energie ab" ...
Diese Aussage ist wissenschaftlich leider nicht haltbar.
Ich erkläre kurz, warum:
Gerade die großen Fächerblätter sind für die Photosynthese unverzichtbar und damit der wichtigste Energielieferant für Wachstum und Blütenbildung.
Bei Nährstoffmangel und in der späteren Blüte dienen die größeren Blätter als Notreserve, aus der die Pflanze schöpft, um die wichtigen Teile, also die Blüten, zu versorgen.
Wann lohnt es sich, Blätter zu entfernen?
• Ab der mittleren Blüte, wenn bestimmte Blätter die Blüten ganz oder teilweise verdecken
• Wenn Blätter schon vollständig gelb oder braun sind (die Energie ist dann heraus, und wenn sie welken, sind sie ein Einfallstor für Schimmel)
• Bei stellenweise starkem Schädlingsbefall auf einzelnen Blättern
Entlauben in der mittleren Blütephase:
Die mittlere Blüte beginnt etwa in der dritten Woche, nachdem die ersten Blütenfäden sichtbar wurden. Der Blütestretch ist vorbei, das Wachstum der Pflanze ist im Wesentlichen abgeschlossen. Nur die Blüten wollen jetzt noch ordentlich an Dichte und Harzmenge zulegen.
Entlaubt wird in Etappen. So hat die Pflanze Zeit, sich zu erholen, und weniger Stress. Das senkt die Gefahr des Zwitterns und ist allgemein gut, weil die Pflanze nicht in einen Stressmodus kippt, in dem sie das Wachstum kurzzeitig einstellt. Sinnvoll sind etwa drei Tage Pause oder mehr nach jeder Teilentlaubung. Pro Etappe sollten nicht mehr als 20 % der Blätter fallen.
Beim ersten Durchgang kommen vorrangig nur die großen Blätter weg, also die, die komplett über Blüten sitzen und sie verdecken. Große Fächerblätter, die nichts verdecken, bleiben dran, und zwar bis zum Schluss, sofern sie nicht stark gelb werden.
Beim nächsten Durchgang kann man dann auch mittlere Blätter entfernen, die aus den Blüten heraus wachsen.
Wer immer mal ein paar Blätter im Bereich der Blüten mit etwas Abstand von drei Tagen oder mehr entfernt, macht nichts falsch. Das Licht erreicht die Blüten dann optimal und sie können gut ausreifen.
Manche haben das Entlauben etwas falsch verstanden und nehmen Fächerblätter im unteren Teil der Pflanze weg oder an Stellen, die überhaupt nichts verdecken. Das ist schlecht. Die Fächerblätter sorgen über ihre Photosynthese dafür, dass die Blüten mit Nährstoffen versorgt werden und größer werden können. Sind kaum Blätter für die Photosynthese da, fallen die Buds insgesamt kleiner aus.
Popcornbuds entfernen:
Blüten, die ganz unten an der Pflanze sitzen und es mit ihren Seitentrieben in Blütewoche 3 nicht ans Licht geschafft haben, kann man ebenfalls wegnehmen. Diese Buds werden sowieso nicht groß und hängen in der Reife oft zwei bis drei Wochen hinterher.
Solche Popcornbuds zu trimmen lohnt sich bei oft weniger als 0,05 g pro Bud nicht. Nach dem Entfernen der kleinen Blätter bleibt nahezu nichts übrig, und es kostet unnötig Trimmzeit. Auch die fertige Ernte sieht weniger schön aus, wenn zu viele kleine Buds dabei sind.
Nimmt man diese Buds früh weg, kann sich die Pflanze stärker auf das Wesentliche konzentrieren, man spart Zeit beim Trimmen und hat vor allem größere Buds, was am Ende bei der Ernte besser aussieht.
Das sind zum Beispiel sogenannte Popcornbuds:
[Bild nicht übernommen]