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Shaman im Garten bleicht aus und macht Adlerkrallen

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Moin in die Runde,

bei mir stehen zwei Pflanzen im Garten, beide völlig gleich behandelt, aber eine zieht nicht mit. Ich mache das als Laie, deshalb bin ich für jede Einschätzung dankbar.

1. Sorte: Shaman (sativa-dominant) ist die Pflanze, die Sorgen macht. Direkt daneben steht eine Holland's Hope (indica), die macht nach meinem Eindruck einen guten Eindruck.

2. Anbau: draußen im Garten, frei stehend, ohne jeden Schutz.

3. Equipment: 25 L Fabric Bags, kein Zelt und kein Gewächshaus, es gibt nur Sonne. Der Bag steht unmittelbar auf dem Rasen.

4. Erde und Dünger: BioBizz All-Mix, dazu BioBizz Bio-Grow und Bio-Bloom. CalMag und Bio-Heaven benutze ich nicht. Dosiert habe ich tendenziell schwächer als auf der Flasche steht, weil ich unsicher war. Im Mittel gab es einmal wöchentlich Dünger.

5. Gießen: nach Gefühl. Im Hochsommer waren es etwa zweimal pro Woche je 5 Liter, momentan kaum noch oder gar nichts, weil es regnet und der Boden sowieso ständig feucht ist.

6. pH und Ähnliches habe ich nie gemessen.

Was ich an der Shaman sehe: die Blätter verlieren Farbe, und vor allem krümmen sich die Spitzen zu Adlerklauen. Das Ausbleichen gab es bei beiden Pflanzen über den ganzen Sommer. Ob die Blätter abgestoßen werden, weil neues Laub nachkommt, oder ob einfach zu wenig ankam, kann ich nicht sagen.

Ich stelle Bilder von beiden Pflanzen dazu, vielleicht habt ihr eine Idee, wo es hakt und was ich künftig anders machen sollte.

Danke euch schon jetzt.

Hier die Pflanze mit dem Problem:

Und hier die Holland's Hope:

[5 Bilder nicht übernommen]

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Mir kommen beide recht hell vor, bei der Shaman kommen aber noch die Adlerkrallen und abgestorbenes, bräunliches Gewebe von den Blatträndern nach innen dazu.

Wenn man kurz nachliest, passen die farblichen Veränderungen zu einem Kaliummangel. In Kombination mit den Adlerkrallen wäre meine Vermutung, dass sie zu feucht steht und deshalb gar nichts aufnehmen kann.

Da du nach Schema regelmäßig fütterst, dürfte eigentlich kein echter Mangel vorliegen. Auffällig ist ja auch, dass der frische Austrieb eine normale Farbe hat.

Hör aber ruhig noch, was andere dazu sagen, bevor du sie auf Durst setzt oder ins Trockene umstellst.

Wurzeln können übrigens schon sehr früh durch zu viel Wasser Schaden nehmen, und das zieht sich dann lange hin.

Dazu können sich pH-Probleme legen. Gießt du mit Regenwasser?

Kalium wird bei saurem Regenwasser schlechter verfügbar, und wer Regenwasser mit organischem Dünger kombiniert, bekommt über die Zeit eine eher saure Erde.

Deshalb mischen viele Grower Kalk in ihr Substrat

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Einen echten Nährstoffmangel würde ich ebenfalls nicht als Erstes annehmen, weil ja reichlich gedüngt wurde. Wenn überhaupt, dann ein Mangel, der nicht daran liegt, dass in der Erde nichts drin ist, sondern am pH-Wert: die Nährstoffe sind vorhanden, die Pflanze kommt nur nicht dran.

Damit liege ich bei derselben Vermutung wie oben schon geschrieben — der pH-Wert weicht zu stark ab oder es ist zu viel Wasser.

Ich halte das Erste für wahrscheinlicher. Zu viel Wasser macht über längere Zeit eher Flecken, und dieses Muster sehe ich hier nicht.

Also spricht viel dafür, dass dein pH-Wert nicht passt, vermutlich in die saure Richtung, also zu niedrig.

Wenn du uns noch bestätigst, dass du immer oder überwiegend mit Regenwasser gegossen hast, dann ist die Sache ziemlich eingegrenzt.

Bei den nächsten Gießgängen auf Leitungswasser zu wechseln, würde helfen. Leitungswasser liegt meist leicht im alkalischen Bereich.

Den pH-Wert in der Blüte etwas anzuheben ist ohnehin sinnvoll. Bei ihr dürfte er momentan deutlich zu tief liegen, ich tippe auf 5,5 bis 5,8.

Ich habe eine Seite gefunden, auf der pH-Wert und Nährstoffaufnahme verständlich erklärt werden: grownrw-bayern.de/ph-wert-cannabis-pflanzen

Weiter unten ist dort auch eine Grafik, an der man abliest, was bei welchem pH-Wert überhaupt aufgenommen wird.

Trotzdem bräuchten wir von dir noch die Angabe, womit du gegossen hast:

• hauptsächlich oder ausschließlich Regenwasser

• viel oder nur Leitungswasser (plus Regen)

Falls es nur Leitungswasser war, kann es natürlich genau umgekehrt sein und der pH-Wert liegt zu hoch.

Weil die neuen Blätter derzeit gut dastehen, scheint das Problem nicht mehr so akut zu sein. Möglicherweise war es zu einem früheren Zeitpunkt heftiger. Eine leichte Korrektur des pH-Werts wird aber wohl eher gut als schlecht sein.

Die stark gelben Blätter kriegen ihr Grün auch bei perfektem pH-Wert nicht zurück. Wo es nur leicht gelb ist, kann sich vielleicht etwas erholen. In der Blüte, in der sie jetzt steckt, werden die großen Blätter sowieso allmählich gelb. Auf Wunder würde ich also nicht mehr hoffen.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Heyho,

erst mal danke für die ausführlichen Einschätzungen, das bringt mich schon weiter. 🙂

Gegossen wurde etwa halbe halbe.

Mein aktueller Verdacht ist vor allem, dass das Substrat die ganze Zeit zu feucht war. Ich habe die Pflanzen jetzt auf Beton gestellt und lasse das Substrat richtig durchtrocknen. Ein pH-Messgerät habe ich mir außerdem besorgt, mal sehen, was es anzeigt.

Habe ich das richtig verstanden, dass ich beim nächsten Gießen das Substrat komplett durchnässen soll, damit unten Wasser rauskommt, das ich auffange und daran den pH-Wert ablese?

Dass die Blätter nicht wieder grün werden, ist mir klar, einen Teil habe ich auch schon abgenommen. Was ist mit "keine Wunder erwarten" gemeint?

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell
Gegossen wurde etwa halbe halbe.

Dann ist es eher unwahrscheinlich, dass der pH-Wert komplett weggelaufen ist

Habe ich das richtig verstanden, dass ich beim nächsten Gießen das Substrat komplett durchnässen soll, damit unten Wasser rauskommt, das ich auffange und daran den pH-Wert ablese?

Du kannst auf mehreren Wegen messen: einmal den pH-Wert des Drainwassers, da steckt dann der Einfluss des Düngers mit drin.

Genauso gern kannst du dein Leitungswasser, dein Regenwasser und die Mischung aus beiden einzeln durchmessen.

Dass die Blätter nicht wieder grün werden, ist mir klar, einen Teil habe ich auch schon abgenommen. Was ist mit "keine Wunder erwarten" gemeint?

Der Satz mit den Wundern gehörte genau dazu: stark vergilbte Blätter werden nicht wieder vollständig grün, selbst wenn alle Bedingungen wieder stimmen.

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Die pH-Richtung finde ich schon gut, ich würde nur noch etwas ergänzen: Adlerkrallen können zwei gegenläufige Ursachen haben. Entweder kriegt die Pflanze zu viel ab, also einen Nährstoff- oder Salzüberschuss, das zeigt sich meist am frischen Laub. Oder sie kommt trotz vorhandenem Angebot nicht ran, weil der pH-Wert nicht passt — dieser Lockout äußert sich mehr am älteren Laub und wirkt wie ein langsam wachsender Mangel. Hier klingt es nach dem zweiten Fall: gedüngt wurde unter Herstellerangabe, und der Neuaustrieb ist sauber, das passt schlecht zu einem echten Überschuss.

Zum Eingrenzen ein Tipp: achte darauf, WO die Krallen auftreten. Nur an alten oder unteren Blättern, die schon den Sommer über blass waren, deckt sich mit der bisherigen Diagnose, der pH-Wert holt das jetzt sozusagen nach. Tauchen die Krallen demnächst auch am frischen Laub auf, hast du ein aktuelles neues Problem und nicht mehr die alte Geschichte.

Neben dem pH-Wert würde ich am Drainwasser auch den EC messen. Bei Erde, die den ganzen Sommer wöchentlich Dünger bekam und dazu direkt auf dem Rasen steht, also nach unten schlecht abzieht, lagern sich in Bio-Substraten auch bei passendem pH-Wert gern Salze ab. Den Fabric Bag versuchsweise etwas anzuheben, auf Ziegel oder Holzklötze, damit unten wirklich Wasser wegläuft, macht oft schon einen merkbaren Unterschied.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Bei organischem Dünger finde ich eine EC-Messung überflüssig. Die Pflanze regelt die Aufnahme über ihre eigenen Prozesse, die Osmose ist hier nicht der Engpass

Ein Hinweis zum Gießen auf Erde: mach die Erde vorher leicht feucht und lass sie kurz stehen. Die obere Schicht wird schnell wasserabweisend und nimmt nichts an. Nach dem Einsprühen ist sie deutlich aufnahmefähiger und es läuft nicht sofort alles durch.

Sobald du den pH-Wert deines Gießwassers kennst, kannst du auch abschätzen, wie plausibel ein pH-Fehler ist. Leicht alkalisches Wasser über pH 7 sollte keine Versauerung bringen und umgekehrt.

Falls zweimal wöchentlich 5 Liter zu viel sind, probier in der ersten Woche mal 2,5 Liter

Ein paar meiner Stecklinge sind glaube ich genau daran zugrunde gegangen 🙁

In dem Stadium, in dem deine Pflanzen sind, sollten sie sich zügig fangen. Solange der Neuaustrieb gut aussieht, ist alles in Ordnung

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Der Punkt mit der Osmose ist berechtigt – die Pflanze steuert ihre Wasseraufnahme aktiv und lässt sich nicht einfach passiv durchspülen. Den EC finde ich trotzdem nützlich, aber aus einem anderen Grund: in Bio-Substraten, die über Wochen regelmäßig Dünger bekommen, lagern sich Salze im Topf häufig schneller an, als die Pflanze sie verbraucht oder als sie ausgewaschen werden – besonders, wenn nach unten wenig abzieht, wie hier beim Fabric Bag direkt auf dem Rasen. Der EC des Drainwassers sagt dann eher, wie viel Restsalz noch in der Erde sitzt, und nicht, wie viel die Pflanze gerade aufnimmt. Als grober Trend über mehrere Gießgänge finde ich das hilfreich, gebe dir aber recht, dass sich daraus bei Bio-Dünger keine exakte Dosierung ableiten lässt wie bei mineralischer Fütterung.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Wie sieht die Pflanze inzwischen eigentlich aus?

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Ach, es geht so.

Es hat fast eine Woche gebraucht, bis das Substrat endlich richtig abgetrocknet war. Und dann hat es gestern den ganzen Tag durchgeregnet, jetzt ist wieder alles klatschnass.

Unterm Strich werden die Blätter immer noch gelblich, und inzwischen sind auch frische Seitentriebe dabei, wo die Blätter noch winzig sind und trotzdem sofort ins Gelbliche kippen.

Ich weiß es also auch nicht, Erfahrung habe ich ja kaum. Wahrscheinlich habe ich mir über den Sommer irgendein grundlegendes Problem eingebaut, einfach aus Unwissen und mangelnder Übung. Ich habe gestern oder vorgestern einen Artikel über richtiges Gießen gelesen, und danach würde ich sagen: ich habe über die ganze Zeit teilweise zu viel gegossen und auch zu viel auf einmal. Ihr könnt euch vorstellen, dass da Schäden entstanden sein können, die sich nicht in einer oder zwei Wochen einfach wieder reparieren lassen.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Übung macht den Meister.

Gießen ist tatsächlich so ein Kapitel, gerade bei Cannabis. Die Pflanze kennt trockene und auch warme Bedingungen, braucht verhältnismäßig wenig Wasser oder steckt trockene Abschnitte jedenfalls gut weg. Sie stammt aus Regionen, in denen es öfter längere Phasen ohne Regen gibt. Und sie ist genetisch darauf eingerichtet, auch kleine Wasserreserven in der Erde noch zu nutzen.

Viele ohne Erfahrung gehen davon aus, die Erde müsse dauernd ziemlich nass sein. Bei Cannabis ist das ein Irrtum. Die Pflanze braucht ihre Trockenphasen in regelmäßigem Abstand, damit die Wurzeln Luft bekommen.

Richtig ist: einmal kräftiger gießen, dann warten, bis die Erde fast trocken ist, und erst dann wieder gießen.

Die Erde permanent feucht zu halten oder in ganz kurzen Abständen kleine Mengen zu geben, bringt eher das Gegenteil. Das begünstigt Wurzelfäule.

Entscheidend ist der Wechsel zwischen nass und trocken. Der sieht je nach Außentemperatur natürlich anders aus. Bei kühlem Wetter reicht vielleicht alle acht Tage, im Sommer sind es alle zwei Tage. Dafür braucht man ein Gespür. Größe der Pflanze, Größe des Topfs und die Temperaturen bestimmen den Rhythmus.

Mit zu viel Wasser kann man den Wurzeln auf jeden Fall ordentlich zusetzen, das schwächt die Pflanze und kann sie im schlimmsten Fall, also bei dauerhafter Nässe, auch umbringen. Wurzelschäden heilen zudem nur sehr langsam. Wer beim Gießen einen groben Fehler gemacht hat, wartet lange, bis sich die Pflanze halbwegs berappelt, oder es klappt gar nicht mehr.

Wie ausgeprägt es bei dir ist und ob das Gießen die Ursache war, kann ich nicht sagen. Aus der Ferne lässt sich das nicht beurteilen. Das ist nur eine allgemeine Einordnung, wie wichtig richtiges Gießen ist.

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Dass jetzt auch frische Triebe betroffen sind, ist genau das neue Detail, auf das es ankommt — als Unterscheidungsmerkmal hatte ich das oben ja schon genannt. Wenn junges Laub schnell vergilbt, würde ich nicht mehr allein bei der alten pH-Lockout-Erklärung bleiben, sondern eher auf durchgehend zu nasse Wurzeln setzen: dass ein 25-Liter-Fabric-Bag auf dem Rasen, der nach unten kaum abzieht, eine Woche zum Abtrocknen braucht, ist schon ein Alarmzeichen, und wenn es danach direkt wieder durchgeregnet hat, hatten die Wurzeln den ganzen Sommer praktisch keine echten Trockenphasen. Dauerhaft nasses Substrat drückt den Sauerstoff aus der Wurzelzone, die Wurzeln nehmen dann grundsätzlich schlechter auf — und das trifft dann auch das frische Laub, nicht nur die alten Blätter wie beim reinen Lockout.

Drei praktische Sachen für die verbleibenden Blütewochen:

• Den Bag jetzt wirklich aufbocken, auf Ziegel oder Holzklötze, damit unten Wasser weglaufen kann — bei diesem Wetter hilft das mehr als jede Düngergabe.

• Zusätzlich würde ich sie wenigstens zeitweise vor direktem Regen abschirmen, etwa mit einer Plane oder Folie darüber, seitlich offen für Luftbewegung — anders kriegst du die Wurzeln bei der Wetterlage kaum trocken, so gut die Drainage auch ist. Wichtig ist die offene Seite, ein rundum dichter Aufbau würde die Luftfeuchte um die Blüten nur hochtreiben statt das Problem zu lösen.

• Und behalte dabei im Kopf: nasses Substrat in der Blüte bei solchem Wetter ist nicht nur ein Thema für die Wurzeln, sondern auch ein Schimmelrisiko an den Blüten selbst. Grauschimmel beziehungsweise Botrytis mag genau diese Mischung aus Feuchtigkeit und dichteren Blütenständen. Es lohnt sich, die dichteren Buds jetzt häufiger auf erste Anzeichen abzusuchen, besonders bei der Shaman.


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