Zum Inhalt springen

Jungpflanzen blühen schon im Frühjahr - was tun?

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Hallo zusammen, ich bräuchte mal einen Rat von euch. Unsere Setzlinge stehen seit dem 4. April auf der Fensterbank. Als wir vor einer Woche aus dem Urlaub zurückkamen, hatten sie auf einmal Blüten angesetzt. Vor drei Tagen sind die Pflanzen dann in den Garten gezogen. Meine Frage: Wachsen sie jetzt trotzdem normal weiter, oder können wir sie gleich wegwerfen? Danke schon mal für eure Hilfe

[Bild nicht übernommen]

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Bei photoperiodischen Sorten geht das von allein wieder zurück in die Vegetationsphase, das nennt man Re-Vegging.

Am Fenster war das Licht wahrscheinlich einfach zu schwach, und die Pflanzen sind davon ausgegangen, es sei schon Herbst.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Danke dir für die Antwort. Und ja, photoperiodisch sind sie. Verschwinden die Blüten dann auch wieder von selbst? Dann gebe ich die Hoffnung jedenfalls noch nicht auf. Um diese hier geht es:

[Bild nicht übernommen]

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Was schon an Blüten dran ist, bleibt auch dran, wächst aber vorerst nicht weiter.

Die Pflanze schaltet zurück auf Wachstum und geht dann etwa ab Ende August ganz normal wieder in die Blüte.

Für diese Umstellung braucht sie ungefähr drei Wochen. In der Zeit kommen erst mal komisch aussehende, glattrandige Blätter mit nur einem bis drei Fingern. Danach werden die Blätter wieder normal gezackt, mit fünf oder mehr Fingern, und es geht regulär weiter.

Ein bisschen Stress ist das für die Pflanze schon, aber bis die Blüte wieder einsetzt, hat sie noch rund drei Monate Zeit. Das sollte hinhauen.

Wenn du photoperiodische Sorten das nächste Mal so früh einpflanzt, dann gib ihnen zusätzlich 18 Stunden LED-Licht am Tag. Oder du pflanzt erst Ende Mai, ziehst nur ganz kurz auf der Fensterbank vor und stellst sie dann direkt nach draußen.

Anfang April sind die Tage für photoperiodische Sorten noch zu kurz, deshalb können sie direkt in die Blüte kippen, so wie bei dir. Nur mit Zusatzlicht lassen sich die Tage für die Pflanzen künstlich verlängern.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Dass ich zu früh gekauft habe, hatte ich mir fast schon gedacht. Sonst war ich immer rund vier Wochen später dran. Rausstellen konnte ich sie ja leider auch erst vor ein paar Tagen, vorher war es viel zu kalt und Sonne gab es keine.

Ich warte jetzt einfach mal ab, was sich in drei Wochen getan hat. Wenn nichts draus wird, müsste ich mir wohl neue Pflanzen holen.

Wäre Ende Juni für neue Pflanzen deiner Meinung nach zu spät?

Und eine Frage habe ich noch: Kann ich jetzt schon Wachstumsdünger geben, oder bringe ich die Pflanze damit völlig aus dem Takt?

Nochmal ganz herzlichen Dank für die ausführliche und informative Antwort.

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell
Kann ich jetzt schon Wachstumsdünger geben, oder bringe ich die Pflanze damit völlig aus dem Takt?

Im Moment wirken deine Pflanzen noch gut versorgt. Kräftig grüne Blätter, nichts fehlt.

Wann man das erste Mal düngen sollte, hängt stark am Topfvolumen und an der Erde, also daran, ob und wie stark sie vorgedüngt ist.

Ein großer Topf mit gut vorgedüngter Erde trägt die Pflanze oft die ersten fünf bis acht Wochen durch. Zusätzlicher Dünger ist dann manchmal einfach zu viel und schadet mehr, als er hilft.

Ich halte es so, dass ich die Pflanzen beobachte. Tiefes, saftiges Grün und keine Flecken heißt für mich: gut versorgt, kein Dünger nötig.

Sobald sie heller wird oder mehr als acht Wochen um sind, würde ich mit dem Düngen anfangen.

Bei dir ist das noch nicht nötig, ich würde erst mal schauen, wie sie sich draußen entwickelt. Für den Topf ist deine Pflanze ja noch recht klein, da steckt noch reichlich an Nährstoffen drin. Wird sie heller, dann düngen, ansonsten frühestens in zwei Wochen damit starten.

Gibst du jetzt schon Dünger dazu, kann es leicht zu einem Stickstoffüberschuss kommen. Das bringt eher Nachteile als Vorteile.

Wäre Ende Juni für neue Pflanzen deiner Meinung nach zu spät?

Für photoperiodische Sorten ist Ende Juni schon spät, ein grundsätzliches Problem ist es aber nicht. Die Pflanzen bleiben insgesamt kleiner und bringen weniger Ertrag. Die Blüte fängt trotzdem etwa Ende August an.

Eine gut versorgte Cannabispflanze in einem großen Topf mit über 50 Litern kann in Deutschland bei einer Wachstumszeit von Mai bis Oktober durchaus 2,5 bis 3 Meter hoch werden und 500 g oder mehr trocken abwerfen.

Setzt du sie erst Ende Juni ein, kommt sie vielleicht nur auf 1,7 Meter und bringt 80 g trocken.

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Du kennst dich wirklich gut aus. Verwendet habe ich den Growmix mit Perlite von Plagron, davor zuerst den Lightmix. Vor dem Rausstellen habe ich sie aber in große Kübel umgetopft, etwa 35 Liter pro Pflanze. Die Erde ist leicht vorgedüngt, laut Beschreibung reicht das für drei Wochen. Den Dünger habe ich bei Hanfgarten.de geordert, einmal Wachstumsdünger und dazu Blütedünger für später.

Deine Erklärung ist super und klingt völlig logisch. Ich warte jetzt noch zwei Wochen ab, wie sie sich entwickeln, und melde mich im Notfall nochmal, wenn das für dich in Ordnung ist. Ich vermute, du bist davon ausgegangen, dass ich Ende Juni mit Stecklingen anfange. Aber wie wäre es, wenn ich dann eine fertige Pflanze kaufe? Bei Hanfgarten.de sind die ja schon 20 bis 40 cm groß. Damit müsste doch ein gutes Wachstum und ein zufriedenstellender Ertrag drin sein, oder sehe ich das falsch?

Und hier noch zwei Fotos vom aktuellen Stand:

[2 Bilder nicht übernommen]

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell
Verwendet habe ich den Growmix mit Perlite von Plagron, davor zuerst den Lightmix. Vor dem Rausstellen habe ich sie aber in große Kübel umgetopft, etwa 35 Liter pro Pflanze.

Der Plagron Growmix ist mineralisch vorgedüngt, und weil deine Pflanzen erst frisch in dieser Erde stehen, halten die Nährstoffe auf jeden Fall noch länger. Dein Topfvolumen ist für die noch kleinen Pflanzen ja auch sehr großzügig. Die Erde ist noch längst nicht komplett durchwurzelt, da ist noch viel zu holen.

Realistisch brauchst du also zwei bis drei Wochen ziemlich sicher keinen Dünger. Die Pflanzen im Auge behalten bleibt aber trotzdem sinnvoll.

Ich vermute, du bist davon ausgegangen, dass ich Ende Juni mit Stecklingen anfange. Aber wie wäre es, wenn ich dann eine fertige Pflanze kaufe? Bei Hanfgarten.de sind die ja schon 20 bis 40 cm groß. Damit müsste doch ein gutes Wachstum und ein zufriedenstellender Ertrag drin sein, oder sehe ich das falsch?

Ich hatte sogar an die Keimung aus einem Samen gedacht. Eine fertige Pflanze mit 20 bis 40 cm ist wahrscheinlich schon drei bis vier Wochen alt.

Das passt auf jeden Fall, dann darfst du sogar mit einer recht großen Pflanze rechnen, die etwa 150 g trocken bringen kann.

Ich bin ohnehin optimistisch, dass es mit deinen drei Pflanzen klappt. Viel kann da kaum schiefgehen. Bei den momentan sehr langen Tagen werden sie die Umstellung aufs Wachstum ganz sicher schaffen.

Solange kein Unglück passiert, also starker Wind, der sie umknickt, oder extremer Schädlingsbefall, werden die bis zur Ernte Mitte bis Ende Oktober noch ordentlich groß.

Das größte Risiko ist der Herbst. In der mittleren bis späten Blüte werden die Blüten sehr schimmelanfällig. In dichten Buds sammelt sich bei Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit Feuchtigkeit, und dann kann von innen heraus Grauschimmel entstehen, also Budrot. Outdoor passiert das bei photoperiodischen Sorten sehr oft, weil Cannabis nicht für unsere Klimazone gemacht ist. Je nach Sorte wird es bei uns in Deutschland leider erst Mitte Oktober bis Anfang November fertig, und da spielt das Wetter dann häufig nicht mehr mit: viel Regen, kühle Temperaturen.

Die meisten photoperiodischen Sorten lassen sich hier, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur improvisiert anbauen. Oft muss man wegen Grauschimmel oder zu kühler Temperaturen noternten.

Schlimm ist das nicht zwangsläufig, aber man trifft dann eben häufig nicht den idealen Erntezeitpunkt und bekommt keine Blüten mit entsprechend hohem THC-Gehalt. Es wird dann oft etwas milderes Cannabis.

Die Alternative sind Autoflower, damit ist es leichter. Sie brauchen nur rund 2,5 Monate bis zur Ernte und blühen unabhängig von der Tageslänge, lassen sich also komplett im Sommer bei viel besserem Wetter bis zur Reife bringen. Der große Nachteil ist der Ertrag, der liegt oft nur bei 15 bis 70 g trocken.

• Photoperiodische Sorten

• ideal für Indoor

• Outdoor in Deutschland anspruchsvoll und mit unplanbaren Risiken

• Autoflower

• gut für Deutschland geeignet

• besser planbar

• weniger Risiken

• kommen meist vollständig zur Reife

• bei schlechtem Wetter kann aber auch hier in der späten Blüte Grauschimmel auftreten

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Ganz lieben Dank dir. Wenn es dir recht ist, melde ich mich in etwa zwei Wochen nochmal. Danke, dass du meine Hoffnung am Leben hältst.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Ich wollte kurz einwerfen, dass es mir gerade ähnlich geht.

Zur Ausgangslage: Ich baue auf meinem Balkon mit Südlage an. Nach dem feuchten Sommer letztes Jahr und Ärger mit Schimmel und Budrot mache ich es mir einfach und trage die Pflanzen in ihren 11-Liter-Töpfen auf die Fensterbank, wenn:

1. es regnet (oder hagelt, graupelt, stürmt oder schneit)

2. die Außentemperatur unter 10 °C fällt, besonders nachts

Bisher läuft das wirklich ganz gut, auch ohne Zusatzbeleuchtung. Balkon und Fensterbrett liegen ja immerhin beide nach Süden. In ihren mittelgroßen Töpfen sind die Pflanzen allerdings gerade mal 50 cm hoch.

Ich hatte mir zwei photoperiodische Stecklinge geholt und sie Anfang März eingepflanzt, Autos gab es leider keine. Beide sind schon in die Blüte gegangen und auch dort geblieben. Ich glaube weniger an Stress als daran, dass es vielleicht doch Autos waren. Dafür spricht meiner Meinung nach der glatte Übergang in die Blüte. Zurück in die Vegetationsphase sind sie jedenfalls nicht gegangen, und ich werde wohl demnächst ernten können.

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Von Autos nimmt man normalerweise keine Stecklinge, weil sie zur gleichen Zeit blühen würden wie die Mutterpflanze. Bis der Steckling Wurzeln gebildet hat, ist so viel Zeit vergangen, dass bei der Pflanze kein großer Ertrag mehr herauskommen kann.

Meine Pflanzen hatten im Frühjahr letztes Jahr ebenfalls schon Blüten. Geschadet hat es ihnen am Ende nicht, groß geworden sind sie trotzdem.

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Genau, bei Autos nennt sich das Ganze eigentlich Setzling, und der wird nicht von einer Mutterpflanze geschnitten, sondern aus einem Samen aufgezogen.

Waren die Blüten voll ausgebildet, du hattest also eine kurze vegetative und dafür eine sehr lange Blütephase? Oder wie ist das Revegging bei dir abgelaufen?

Bei mir werden die Trichome schon milchig und die Stigmata sind braun. Ich glaube kaum, dass die noch vier Monate durchhalten. Wie seht ihr das?

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Werbung für Automatic-Pflanzen ist mir gerade auch aufgefallen, und ich habe mich erst mal gewundert.

Du hast recht, es gibt inzwischen Automatics zu kaufen. Finde ich ziemlich interessant, weil die kritische Phase des Pflanzens damit von Profis übernommen wird.

Das ist leider das beste Foto, das ich von der damals blühenden Pflanze habe. Sie ist zurück in die Vegi gegangen, und die Blüten sind später nicht mehr aufgefallen, deshalb nehme ich an, dass sich neue gebildet haben.

Geblüht haben sowieso nur die beiden untersten Nodien.

[Bild nicht übernommen]

Archiv-Mitglied CArchiv · redaktionell

Interessant!

Bei mir sitzen die Blüten über die ganze Pflanze verteilt, da glaube ich eher nicht an ein Revegging und freue mich auf die Ernte, die bald ansteht.

Archiv-Mitglied DArchiv · redaktionell

Ich hätte dazusagen sollen, dass die ganze Pflanze damals erst zwei oder drei Nodien groß war.

Mich würde freuen, wenn ihr uns auf dem Laufenden haltet

Archiv-Mitglied AArchiv · redaktionell

Hallo nochmal, nach den drei Wochen wollte ich dir Fotos schicken und höre sehr gern, was du dazu meinst. Denkst du, das wird noch was?

[3 Bilder nicht übernommen]

Archiv-Mitglied BArchiv · redaktionell

Bis auf die Pflanze in der Mitte sieht das gut aus. Das Wachstum läuft wieder und weitere Blüten sind nicht dazugekommen.

Die mittlere bildet im Moment ziemlich krüppelige Blätter. In der Revegging-Phase kann das aber durchaus vorkommen.

Lass sie einfach weiter wachsen, im besten Fall sehen die neuen Blätter in ein bis zwei Wochen wieder normal aus.

Sobald die Pflanze regulär wächst und hunderte neue Blätter schiebt, fallen die paar krüppeligen gar nicht mehr auf. Die ganz rechte und die ganz linke machen sich gerade deutlich besser. Bei der mittleren muss man in ein paar Wochen nochmal schauen, was daraus wird.


Anmelden und antwortenMitlesen geht auch ohne Konto.