Meine Einschätzung zum Selbermischen:
Sich komplett mineralischen Dünger aus den einzelnen Zutaten zusammenzustellen, zahlt sich meiner Meinung nach nicht aus.
Ein 25-kg-Sack Blaukorn Universaldünger liegt bei etwa 30 € und dürfte für 5000 Grows reichen. Da steht der Aufwand in keinem Verhältnis. Der ideale Dünger für jede Phase ist es zwar nicht, aber ein guter Allrounder zu einem extrem niedrigen Preis, je nachdem, welche Ansprüche man hat.
Wie ich selbst dünge:
Direkt mit mineralischem Dünger anzufangen, ist nicht mein Ding. Am Anfang braucht die Pflanze ohnehin nur wenig Nährstoffe, und die ersten sechs Wochen lassen sich problemlos organisch überbrücken. So bleiben Bodenleben, Pilze und der Rest lange erhalten. Außerdem riskiert man weniger, sich das Substrat zu versalzen.
Mineralisch dünge ich ab der zweiten Blütewoche, vor allem aber, weil ich in kleinen Töpfen growe und organischer Dünger dann an seine Grenzen stößt. Bei Töpfen über 15 Liter würde ich auf mineralischen Dünger wahrscheinlich ganz verzichten.
Weil er lange wirkt und die Nährstoffe langsam abgibt, eignet sich organischer Dünger prima, um die Erde schon vorab vorzubereiten. Die Nährstoffe kommen erst nach ein paar Tagen frei und stehen dann über Wochen gleichmäßig zur Verfügung. Das spart Arbeit und reduziert Fehler.
Etwas Hornspäne, ein wenig Urgesteinsmehl und bei Bedarf etwas Guano oder Hühnermist ins untere Drittel des Topfes in die Erde einarbeiten, und man hat gut fünf Wochen Ruhe. Danach kann man noch einmal mit stark verdünnter Brennnesseljauche (1:20) gießen, und damit kommt man bis zur Blüte. In der Blüte gebe ich dann mineralischen Dünger mit überwiegend Kalium und Phosphor über das Gießwasser, etwa alle sechs Tage. Da ich nicht viel davon brauche, nehme ich einfach einen fertigen Blumen- bzw. Blütedünger. Die rund 10 € sind mir das wert, und die Menge reicht für ungefähr 15 Pflanzen. Man kann natürlich auch überteuerte Spezial-Hanfblütendünger zum dreifachen Preis kaufen, ob die besser sind, weiß ich allerdings nicht. Ich schaue auf das NPK-Verhältnis, und irgendetwas um 3-5-5, 3-5-6 oder 3-6-5 passt für mich. Wichtig ist nur, dass der Stickstoff etwa halb so hoch dosiert ist wie Phosphor und Kalium. Zu genau muss man das nicht nehmen.
Die Strategie ist bei mir bisher immer aufgegangen, und weil ich erst spät mineralisch anfange, ist die Gefahr einer starken Versalzung der Erde deutlich kleiner. Dazu kommt der wirklich geringe Aufwand.
Alle zwei Tage eine auf den Stand der Pflanze abgestimmte Mischung aus mehreren Komponenten zusammenzurühren, dazu pH und EC messen und gegebenenfalls nachkorrigieren, wäre mir zu viel. Mit etwas Gefühl, eher zurückhaltender Düngung und den ersten sechs Wochen organisch braucht man das nicht. Dass alles aus dem Ruder läuft, ist unwahrscheinlich, weil man bei diesem Vorgehen nur etwa vier Wochen mineralisch düngt, nämlich ungefähr von Blütewoche zwei bis sechs. In der letzten Woche wird nicht mehr gedüngt, damit die Salze in der Pflanze umgebaut werden.
Theorie (Anfänger) gegen Praxis (Experte):
Gut möglich, dass man als absoluter Experte mit perfekt abgestimmter mineralischer Düngung mehr herausholt. Ich beobachte aber oft das Gegenteil. Dieses Feingefühl für die richtige Dosierung, passend zu Genetik, Lichtmenge, Wasser und so weiter, haben die wenigsten. In professionellen Betrieben, die Medizinalhanf anbauen und schon zehn Runs mit Stecklingen derselben Mutterpflanze hinter sich haben, mag das anders sein. Die haben Referenzwerte, gleiche Bedingungen und können über Versuche immer weiter optimieren.
Ein Privatgrower hat dagegen jede Menge Unbekannte, und mit Samen, die unterschiedliche Genetik mitbringen, wird es nicht leichter. Als Beginner macht man bei rein mineralischer Düngung mit hoher Wahrscheinlichkeit Fehler und braucht wohl mindestens drei Grows, um überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln. Erlebnisse mit Überdüngung oder versalzenem Substrat gehören da ziemlich sicher dazu.
Deshalb sage ich: Für Anfänger ist organischer Dünger einfacher. Der steckt viele Fehler weg. Versalzung ist kaum zu erwarten, und Überdüngen ist vergleichsweise ebenfalls schwerer. Mineralisch zu düngen empfehle ich nur bei kleinen Töpfen, wenn es eben nötig wird, oder bei kritischen Mängeln, wenn die Nährstoffe schnell da sein müssen.
CalMag rechne ich zu den Mikronährstoffen, das ist noch eine andere Geschichte und hier von mir nicht weiter erwähnt. Anfängern mit starken LED-Lampen würde ich CalMag allerdings früh empfehlen, weil es dort einfach nötig ist.
Mein Fazit daraus:
Es gibt Dinge, die theoretisch besser sein können, mineralischer Dünger gehört dazu, die aber ohne jahrelange Praxis und gleichbleibende Bedingungen für Anfänger eher schlechter sind. Es passieren Fehler, die mit organischem Dünger nicht passieren. Also holt ein Anfänger mit organischem Dünger sehr wahrscheinlich das bessere Ergebnis heraus.
Trotzdem wird man durch Fehler und Erfahrung besser, und wer sich mineralische Düngung oder gleich Hydrokultur zutraut, soll das machen. Erfahren kommt niemand auf die Welt. Wer es sich leicht machen will, nimmt die oben beschriebene, ganz oder überwiegend organische Methode.